Weihnachtsgeschichte 2009 von Wolfgang Hom
Das Flugplatzfest
Es war wieder einmal soweit!
Der August neigte sich dem Ende zu und die Mienen der Vorstandschaft des LSV-Erbach wurden erwartungsvoller und auch etwas hektischer…, die der Mitglieder jedoch blieben gelassen…, um nicht zu sagen… gelangweilt!
„Das kennt man doch alles schon…“!! sagte sich fast ein jeder. „Das ist doch wie immer…! Zweimal im Jahr muss man halt antreten…, den ganzen Rummel eines Flugplatzfestes oder 1. Mai’s mitmachen und „schaffa“, und hernach wieder alles so schnell als möglich verdrängen oder vergessen…, das ist doch völlig normal“!!
Bei der schriftlichen Einteilung zu den verschiedensten Diensten sieht man ja auch immer die gleichen, erfahrenen Männlein und Weiblein hinter den Theken stehen und am Ende des DIN A4 Blattes steht, wie jedes Jahr, der gleiche lakonische Satz: „Wer eine andere Einteilung wünsche, solle sich rechtzeitig mit der Schriftführerin in Verbindung setzen“!
Hmmm…, aha…!! Das stelle man sich einmal vor: Der Hans-Jürgen Mack will auf einmal Pommes frites oder Radler verkaufen und der Jogi möchte gar zu gerne einmal Ballons aufblasen…, unvorstellbar!
Auch die Sibylle kann man sich nur schwer an einem solchen Tag mit einem Mikrofon in der Flugleitung vorstellen, statt tonnenweise Mitgliederkuchen zu verscherbeln… und ob der Peter Villoth, so er den Wunsch einmal äußern würde, auch einmal stundenlang Passagiere zu fliegen, statt für einen knotenlosen Stromfluss zu sorgen, der richtige Mann wäre…? Tja…, ich weiß nicht?
Also lassen wir es lieber beim alten System, nur keine Neuerungen, nur keine Experimente, es hat sich doch alles so bewährt!
Doch halt… hat sich nicht eine Döner-Bude und ein Olivenstand um Aufstellungserlaubnis beworben und eine Gesangsgruppe der Heilsarmee wollte nebst Feuerschlucker und Zauberer auch noch das Programm bereichern?
Hüten wir uns…, hüten wir uns…, wehret den Anfängen! Wir sind ein Sportverein mit besonderer Betonung auf „Luft“!
Denn es muss einfach einmal gesagt werden:
Wir sind mit unseren zweimal im Jahr stattfindenden luftsportlichen Großereignissen ein nicht mehr wegzudenkender Kulturfaktor mit Event-Effekt im sozialen Gemeinwesen der Stadt Erbach und darüber hinaus, dank kräftig geschlagener Werbetrommeln einiger engagierter Vereinsmitglieder, ein Besuchermagnet ersten Ranges im ganzen Alb-Donau-Kreis!
Wie groß bei uns die Kultur geschrieben wird, kann man sehr deutlich sehen an der Jahr für Jahr größer werdenden Fahrzeugdichte auf unseren ausgewiesenen Parkplätzen anlässlich der o.a. Veranstaltungen und an der Jahr für Jahr länger werdenden Autoschlange bei der Anfahrt zum und vor allem bei der Abfahrt vom Erbacher Flugplatz!
Angeblich soll sich heuer die Auflösung der Fahrzeugschlange in Richtung Ulm und Gegenrichtung bis in die späten Nachstunden hingezogen haben, so dass man in den zuständigen Verkehrsleitstellen bereits die Ausgabe von heißem Tee und Decken in Erwägung zog!
Aber das kennt man doch alles bereits…, es ist für Insider wirklich nichts Neues…!
Bei der Durchführung des heurigen Festes war auch alles wie sonst:
Die Menschenschlange an den Kassen zum Verkauf von Verzehr-Bons ging wie immer weit über den südwestlichen Platzrand hinaus…, der Stau am Kaffe- und Kuchenstand war nur weniges geringer…, der Andrang an den Damen-Toiletten erreichte Rekordlänge…!
Die vielfachen Blasenkrämpfe etlicher Frauen und Mädchen konnten jedoch dankenswerter Weise durch die Ausgabe von Spasmolytika seitens der ASB-Sanitäter in Grenzen gehalten werden!
Was unseren immer geschäftstüchtigen Eisverkäufer Richard zu der laut geäußerten Überlegung brachte, ob nicht ein zusätzliches Einnahme-Plus erzielt werden könne, wenn er sich mit seinen Eistruhen das nächste Mal doch in die Nähe der Damen-Toiletten verzöge, mit dem zarten Hinweis darauf, dass er auch Inkontinenz-Windeln in allen Konfektionsgrößen anböte!
Die Vorstandschaft wird darüber nachdenken!
Wirklich Neues in den Flugvorführungen gab es auch diesmal nicht!
Die vielfachen Schrei- und Weinkrämpfe von Kleinkindern und zart besaiteten Frauen bei und nach der ohrenbetäubenden Darbietung diverser Dembinsky’s und Britsch’s ließ die meisten Mitglieder kalt und stieß auch bei weiten Kreisen des Publikums auf laut geäußertes Unverständnis!
Auch die wegen des Lärms jedes Jahr mit Regelmäßigkeit zu erwartenden, erbosten Telefonanrufe der in ihrer Ruhe gestörten Anwohner hatten auch heuer die Anzahl von Tausend bei weitem nicht erreicht!
Als sehr bedeutungsvoll wäre zu nennen, dass unser Eberhard bereits in der Vorbereitungsphase und ebenso während des Festes permanent Statements für diverse Print-, Audio- und Televisionsmedien abgeben musste über den Sicherheits- und Instandhaltungs-Status des Maschinenparks des LSV-Erbach!
Nicht unerwähnt sollte dabei auch bleiben, dass er ergänzend hierzu äußerte:
Dass durch die Einführung der Europäischen Regelung für Wartung und Instandsetzung unserer Flugzeuge vor allem ein ungeheurer Dokumentationsaufwand notwendig sei und die Ablage hierfür meterweise Aktenordner nach sich zöge, und man deshalb leider gezwungen sei daran zu denken, den eigentlich für die Segelflugjugend noch zu bauenden Aufenthaltsraum zur Aufbewahrung besagter Akten und Dokumente umzufunktionieren!
Auch dieses hatten Vereinsinsider bereits befürchtet und als Erklärung für die Bauverzögerung erwartet!
Ein kleiner Zwischenfall im heurigen Ablauf des Fluggeschehens sei noch anzuführen, der jedoch, und das muss hier mit besonderem Nachdruck betont werden, in keinster Weise die Sicherheit der Zuschauer oder die des Personals beeinträchtigt hatte! Auch der Gesamtfortgang des Festes wurde nicht im Geringsten hierdurch tangiert!
Als nämlich die Modellflieger mit ihren Vorführungen an der Reihe waren und das rückstoßgetriebene Pulso-Flugmodell Inferno aus seiner schrill kreischenden Flugbahn gerissen wurde, was mangels korrekter Impulse einer defekten Fernsteuerungs-Anlage geschah und nun zick-zack-artig mit nervenzerfetzendem Geheul im Tiefflug über die Köpfe des entsetzen Publikums raste, um letztendlich in einem dumpfen, ordinären, mega-furzartigen Knall an einem offen stehenden Oberlicht des Toilettenwagens sich in seine Einzelteile zu zerlegen!!
Einige laute Lacher ertönten, verletzt wurde jedoch niemand!
Nur eine in der Nähe des Aufschlagorts zufällig anwesende Hochschwangere konnte sich vor Schreck einer Spontangeburt nicht erwehren, welche jedoch im VIP-Zelt durch die Hinzuziehung des zufällig anwesenden Notarztes des ADAC-Rettungshubschraubers und mit Hilfe der sonst unermüdlich Kopfweh- und Beruhigungstabletten ausgebenden Sanitätern glücklich zu Ende gebracht werden konnte!
Mutter und Kind geht es den Umständen entsprechend gut!
Nun trat jedoch eine sog. Kette der Ereignisse ein, die zu Denken Anlass geben sollte, wobei nur die wenigstens Umstehenden derer ansichtig wurden !
Einige vorwitzige Jungsegelflieger des LSV-Erbach schlichen sich nämlich während des Entbindungsvorgangs von hinten in das VIP-Zelt und konnten so im Verborgenen das Geschehen auf ihren Handy-Kameras dokumentieren!
Selbige Videoclipse stellten sie sodann noch am gleichen Abend, in Verbindung mit dem am Oberlicht des Toilettenwagens explodierenden Infernos und der alles übertönenden freundlichen Mikrofonstimme von Walter Möck: „Kommen Sie nach Erbach…!, kommen Sie zum Flugplatz…!, Fliegen ist so schön…!“ bei You-Tube in’s Internet!!
Das wiederum bewirkte selbstverständlich am nächsten Tag heftige E-Mail -Proteste von Hermann Oehrle, Uli Sayler und Andere über die Zügellosigkeit der heutigen Jugend im Allgemeinen und die der Erbacher Jungsegelflieger im Besonderen!
Einige weitere alte Deppen des Luftsportvereins werden dem sicher zustimmen oder dagegen sein…, für Diskussionsstoff ist jedenfalls wieder einmal reichlich gesorgt!
Jaja…, wir sind schon ein sehr aktiver Verein, besonders im E-Mail schreiben!
Doch kehren wir zum weiteren Ablauf des Festes zurück!
Im Laufe eines solchen treten naturgemäß immer kleinere Ermüdungserscheinugen auf, so z.B. soll unser Olaf, in Ausübung seines verantwortungsvollen Dienstes auf dem Tower, zweimal hintereinander, laut Aussage vom Hansi Werndl natürlich, in das in seiner linken Hand befindliche Mikrofon gebissen und seiner in der rechten Hand gehaltenen Curry-Wurst Rollfreigabe gegeben haben!
Nun ja…, was soll’s…, das kennt man doch… und sehen tut’s auch keiner!
Auch beim Adi Hirschauer sollen ähnliche Erscheinungen aufgetreten sein: Mehrfache Direktlandungen mit dem Tandem-Gleitschirm in der Hüpfburg!
Was der Walter nicht nur mit seinem üblichen: „Hoppl-Poppl“ kommentierte, sondern auch fachkundig hören ließ: „Kommen Sie zu uns…, fliegen Sie mit…, schauen Sie sich unsere Heimat von oben an!
Nicht weiter erwähnenswert ist die, wie jedes Jahr, von Frittierfett tropfende Unterseite der an der Decke aufgehängten Ka 8 in der Hagmeier-Halle, oder der lächerliche Versuch eines neu hinzugekommenen Ballon-Verkäufers unbemerkt Besucherhunden Ballons an ihre Schwänze zu binden!
Dankbar dagegen nahm das Publikum heuer einen endlich wieder einmal stattfindenden Massenstart von sage und schreibe 8 Heißluftballonen zur Kenntnis, die auch so weit fortgeblasen wurden, dass die Ballonbesatzungen und ihre Gäste durch die langen Rückholzeiten verhindert ,diesmal nicht in der Lage waren, nach Wiedereintreffen am Flugplatz, die vom Vereinswirt organisierten und für die Mitglieder bestimmten Käseplatten wegzufressen!
Das erfreute die schaffenden und geschafften Vereinsmitglieder über alle Maßen, die wie immer bis weit nach Mitternacht die Aufräum- und Ordnungsarbeiten pflichtbewusst bewerkstelligten, um sodann noch ein paar Stunden, in trauter Runde, das wieder einmal gelungene Fest zu begießen!
Nachdem die Rücken und Gesäße der stundenlang Passagiere geflogen habenden Piloten, wie die von Barbara, Wolfgang Frey, Winfried und anderen von mitleidsvollen Vereinskameraden mit Franzbranntwein- und Latschenkiefernöl-Einreibungen wieder zum Leben erweckt worden waren, ließ sodann eine Mitteilung von Bernhard Ebner, unserem Vertreter des Vereinskassiers, selbst den hartgesottensten Insider aufhorchen!!
Er, der Bernhard, habe den Auftrag von Rainer Bürkle, der sich auch bei diesem Fest leider zu einer unaufschiebbaren Auslandstätigkeit gezwungen sah, folgendes mitzuteilen:
Da die Einnahmen aus dem Flugbetrieb durch die immer geringer werdenden fliegerischen Aktivitäten der Vereinsmitglieder sowieso seit Jahren rückläufig sind und damit, logischer Weise, für jedes Mitglied mehr Zeit für andere Dinge zur Verfügung steht, habe er, der Rainer, in Absprache mit dem übrigen Vereinsvorstand die Absicht auf der nächsten Jahreshauptversammlung den Antrag für Folgendes zu stellen:
Ab 2010 finden statt 2 mindestens 4-5 flugplatzfestähnliche Großveranstaltungen statt!
Als da wären :
Im März – Frühlingseinzug auf dem Flugplatz Erbach
Am 1. Mai – wie gehabt – Tag der offenen Tür
Im Juli – Fliegen für die Daheimgebliebenen, alles zum halben Preis (darüber muss noch verhandelt werden)
Ende August – wie gehabt – das große Flugplatzfest
Im Oktober – bunte Blätter fliegen auf dem Erbacher Flugplatz
Mitte Dezember – die größte Neuerung:
Weihnachtliches Abfliegen der Saison, dazu selbstgebackene Plätzchen und Lebkuchen der Mitgliederfrauen nebst Maroni-, Bratwurst- und Glühweinständen, die von unseren erfahrenen Mitgliedern mit Leichtigkeit betrieben werden können!
Als besonderes Highlight könnte hierbei dienen: die Jungsegelflieger bringen mehrstimmige Advents- und Weihnachtslieder dar, als Wiedergutmachung ihrer letzten Missetaten!
Falls dieser Vorschlag Gegenliebe finden würde und davon ist er, der Rainer nebst Vorstandschaft voll überzeugt, könnte ein winterliches Abfliege-Fest sogar heuer noch stattfinden! Zeit dazu wäre noch! Nehmt es Euch zu Herzen und lasst es Euch durch die Köpfe gehen!
Damit endete die Mitteilung von Bernhard und ließ eine erstaunte und verblüffte Zuhörerschaft zurück!
Damit endet leider auch mein Bericht über das Flugplatzfest mit der dringenden Bitte an Euch, diese pekuniären Erweiterungsmöglichkeiten wohlwollend zu betrachten und wie immer mit ganzer Kraft gemeinschaftlich diese Dinge anzupacken!
Letztendlich darf ich mich für’s Zuhören herzlich bedanken, allen eine betriebsame und hektische Vorweihnachtszeit wünschen und mit der Gewissheit, dass wir uns spätestens beim … nein, nein … nicht beim Fliegen …, sondern beim nächsten Flugplatzfest wieder sehen, verbleibe ich hiermit
Euer Wolfgang mit der spitzen Feder!
Ach ja …, und noch etwas: Falls ich mit meinen Worten bei Euch den Eindruck hinterlassen haben sollte, ich wäre versehentlich in einige Fettnäpfchen gestiegen, so muss ich Euch leider korrigieren …!
Ich hab’ es mit voller Absicht getan, denn nichts freut mich mehr und ich hoffe, Ihr habt auch Euer Vergnügen daran, wenn ich mit beiden Beinen in einen bereitgestellten Fettnapf hineinspringen kann, dass es so richtig spritzt!!!
Vielen Dank!
Ersonnen und vorgetragen von Wolfgang Hom anlässlich der Jahresabschlussfeier des LSV Erbach am 5. Dezember 2009 in der Linde zu Erbach.