Die Legende von den „Erneuerten Hallentoren

Dezember 2004


Nun also begab es sich zu der Zeit, da zwei Nullen standen zwischen der Zwei und der Vier, und Eberhard im Barte sprach zu den And’ren: „Sehet Kameraden, die Sonne, sie stehet schon tief am Mittag, und das Laub an den Büschen und Bäumen färbt sich schon bunt!

Lasset uns Taten tun wie im Frühjahr besprochen und akzeptieret, widerstrebet dem Müßiggang und spuckt in die Hände! Hebet die alten Tore heraus, auf dass sie erneuert werden mit frischem Holze und hellerer Farbe! Schneidet heraus die Bodenschienen, die Alten, damit sie wiederum in’s Wasser geleget, so dass nichts mehr rumpelt! Auch muss der alte Bitumen entfernt und neu betoniert werden, und gebet ihm kräftigen Halt durch mächtige Fundamente!"

Und so geschah es. Ein Plan wurde erstellt von Olaf dem Vize, in welchem ein Jeder einzutragen sich hatte, gemäß seinem Können und seiner Lust, auf dass nicht nur Fachleute, sondern auch Linkshänder und Zehndaumenträger die Freuden der Arbeit zu spüren bekämen.

„Auf, auf", sprachen die Männer und Frau’n des Vereins, „lasset uns tun wie geheißen, denn schnell vergehet das Jahr und Schlechtwetter erscheint bald am Himmel!!"

Und Michel der Räumer und seinen Getreuen entleerten die Halle und füllten die And’ren mit Fliegern und Unrat, das war nun das Zeichen für Olaf den Gräber und Walter den Schaufler, mit Knirschen und Krachen entfernt wurde der Boden mit lauten Maschinen und es barst und splittert des Bitumens blaugraue Kruste.

Indessen waren nicht müßig die And’ren, geschart um Schimmy den Holzwurm; mit Stöhnen und Ächzen wurden gelupfet der Tore Gewichte, um mit flinken Fingern sie zu entkleiden der hässlichen Platten, gehalten von alten, rostigen Schrauben! Und Edwin der Schreiner gelangte zum Einsatz, mit Hilfe von Gerhard und anderen Willigen wurden erstellt neue Schablonen und gewaltige Meßlatten für die neue Beplankung der halbnackten Tore.

Es war eine Freude zu sehen, wie viele bei der Arbeit sich plagten oder sich drückten, der Schweiß floss in Strömen und die Labung nicht minder. Auch glaubte Richard der Aufpasser für schnelle Verteilung der Arbeit sorgen zu müssen und verschaffte mit munteren Worten die nötige Prise Humor!

Derweilen fraßen sich tiefer und tiefer die stählernen Schaufeln von Olafs Maschinen, so dass zum Schlusse des Fundaments Löcher in’s Bodenlose zu verlieren sich schienen! „Aha, welch guter Gedanke", rief Eberhard der Erste, „lasst uns vergraben in finsterer Tiefe unsere Akten und Belege gegen des Finanzamt’s gierige Hände"!

Hei, wie macht die Arbeit Fortschritt von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag, bis spät in die Nacht, wurde geschraubt und gefräst und gesägt bei den Toren im neuen Gewande: Ferdinand der Belehrer, Christian der Jüngste, Niko der Schrauber, Wolfgang der Willige und der And’ren noch mehr, gesellt um den Holzwurm, befleckten mit Ehre und Sägmehl und Ruhm sich! Und Friedrich Wilhelm war Kaiser im Kehren und Säubern!

Auch die Bodenleger waren nicht faul, zusammen mit Jochen Betonassel legten sie Eisen und Matten in ausgehobene Böden und auf Fundamente! Bereits in der Dämm’rung des noch jungen Tages flossen die Ströme des zähen Betons in die Flächen und Hohlräume. Die glitschigen Massen wurden geschwinde verteilt in alle Winkel und Ritzen und behende geplättet auf dass sie nunmehr erstarren!

Die ausgebesserten Schienen wurden neu nivelieret und fest fixieret vom Eisernen Peter, doch leider es schlichen Fehler sich ein in’s schwierige Handwerk!! Nun schien alles gut, der Anblick war prächtig! Beplankt war’n die Tore, versehen mit neuen Beschlägen aus eisernen Rollen, so die Alten zum Gebrauche nicht mehr benötigt!

Geschleppt und gestapelt wurden erneut mit keuchenden Lungen der Tore Gewichte, um Hansi dem Pinselschwinger, umgeben von seinen Schleifern, es zu ermöglichen zu Glätten und Schließen der Tore neue, hölzerne Haut. Marion und Robert und William die Streicher und auch Winfried der Viel-Flieger behende verteilten, gehetzt vom stressigen Hansi, sie der neuen Farbe bräunlichen Grundton!

Nun war es geschehen! Das Meiste der Arbeit schien nun erledigt und alle Männer und Frau’n harrten der Dinge, dass nun gehoben werde das Erste der Tore in seine dafür geschaffene stählerne Rinne.

Doch schnell schreitet oft das Schicksal, gepaart mit Ärger, zu unerwarteter Wendung des Ganzen, so also auch hier: denn falsch wurden verleget der Tore Geleise, zu weit und nach außen, zwar in sich im Wasser, doch leider versehen mit Buckel und Kanten, und auch des Betons errechnete Höhe war teilweis‘ zu hoch, so dass statt erhofftem lautlosen Gleiten die Rollen und Kanten des Tores sich fraßen mit hässlichem Knirschen und Kreischen in den neuen Beton.

„Dreck von der Scheiße", schrie Schimmy der Holzwurm, „ihr Dilettanten und Pfuscher, der Blitz soll Euch treffen beim Verrichten der Notdurft!" Sogleich wälzten mehrere Männer im Staube sich, Wasserwaagen und Meßlatten in ihren Händen, um sie zu messen, die Differenzen; Zahlen von drei Millimeter bis Dreißig durchschwirrten irritierend die feuchtkalte Herbstluft und Wehklagen und Flüche ertönten durch der kahlen Halle Gemäuer! Kreisrunde Augen und offene Münder aller Beteiligten waren der Ausdruck von Ratlosigkeit!!

Schnelle Entscheidung war nun gefordert, zuerst zwar raufte Eberhard im Barte sich noch den Selben und schrie nach dem Laser, doch schneller waren And’re mit Brechstange und Flex, Mordlust in ihren glitzernden Augen und wild entschlossen, dem Schicksal zu trotzen! So ward denn geflext, geschnitten, gebrochen der falsch verlegte eiserne Strang, bei Wind und bei Wetter und künstlichem Licht, tagelang sich ziehend bis in die Nacht!

Sodann wurden neu verlegt die Geleise, obwohl bereits Winter stand vor der Tür, denn oft bliesen Schnee und hässliche Winde auf der knienden Kameraden hoch aufgereckte Gesäße. Nun ward Peter zum Schweißer und selbst Wolfgang der Freye erinnerte sich seines einstmals beherrscheten Handwerks bei des Schweißstabes grellem blau-gleißenden Lichte!

Doch abermals dräute des Ungemachs hässliche Fratze und erneut mussten Schienen, soeben verlegt und geheftet, geflext und entfernet werden, dem buckligen Untergrund mussten sie weichen und durch 15er Eisen ersetzt. Und Richard der Pinsler verstrich die rötliche Mennige zur Hälfte auf’s Eisen, die Andere auf den Beton. Und Rolf der Vielseitige und Hermann der Schwindelfreie gaben der Tore Aufhängung ein neues Gesicht!

Und dann ... endlich, endlich, keiner wollt’s glauben, das Warten und Bangen hatte schließlich ein Ende; die Tore, sie wurden gehoben, gepresst und geschoben in ihre neuen eisernen Bahnen - und siehe das Werk, es war trefflich gelungen und itzo fand alles den glücklichen Schluss!

Zwar pfeift der Wind noch durch etliche Ritzen und die ob’re Verblendung bedarf der Vollendung, doch auch diese Dinge werden einstmals gescheh’n! Noch in zukünft’gen Jahren wird man erzählen von der tapferen Männer und Frau’n selbstlosem Einsatz, um zu vollbringen allhier das gemeinsame Werk.

So ist es gescheh’n, und ich hab’s geseh’n, und vorgetragen in dieser Runde zur Feier des Abschlusses des heurigen Jahres, ersonnen und geschrieben von Wolfgang dem Reimer und zum Dank nun verpflichtet, dass Ihr mir gelieh’n Euer gnädiges Ohr!!

Ersonnen und vorgetragen von Wolfgang Hom zur Jahresabschlussfeier zu Erbach in der Linde im Dezember des Jahres 2004

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 (C)2004 LSV Erbach