Dimona-Tour ins Baltikum

31. Mai – 5. Juni 2008

 

 

 

Bereits letztes Jahr hatten wir die Baltikum- Tour geplant und auch begonnen, waren aber wetterbedingt nur bis Lodz gekommen, so dass wir die Route geändert haben nach Stettin und Wyk auf Föhr. Diesmal sollte es nun klappen.

 

1. Tag: Erbach – Cottbus – Danzig

Wir starteten am Samstag, dem 31. Mai. Unser erstes Ziel war ein Tankstop auf dem Flugplatz Cottbus- Drewitz. Dort drehte gerade ein Airbus der Lufthansa insgesamt 30 Platzrunden. Auch Lufthansa- Piloten müssen anscheinend üben. Schnell war der weitere Flug vorbereitet und der Flugplan aufgegeben, und es konnte weitergehen über das flache polnische Land. Am Abend landeten wir in Danzig. Auf einer Leuchttafel suchten wir ein Hotel und reservierten telefonisch. Nun fuhren wir mit dem Bus Richtung Bahnhof. Leider fuhr dieser Bus aber zu einem anderen Bahnhof als wir wollten, so brauchten wir doch noch ein Taxi, das uns vor die Tür fuhr. Nach dem Duschen gings zu einem Rundgang durch die Altstadt und zum Essen. Nachdem der Hunger gestillt und der Flüssigkeitsspiegel wieder hergestellt war, fielen wir rechtschaffen müde ins Bett. Am nächsten

 

2. Tag: Danzig – Kaunas – Riga

Am Sonntag, dem 1. Juni nahmen wir zum Flughafen gleich ein Taxi. Zunächst waren wir uns nicht ganz darüber einig, ob unser nächstes Ziel Vilnius, Kaunas oder Riga sein sollte. Da der Sprit ohnehin nicht bis Riga reicht, planten wir den Flug also nach Vilnius mit Alternate Kaunas im Flugplan. Auf dieser Strecke muss man um den russischen Ostseeteil mit Kaliningrad einen Haken schlagen und kommt dabei über Ketrzyn (ehemals Rastenburg), wo im Wald versteckt das die Reste des Führerhauptquartiers Wolfsschanze und an einem See die ehemalige Villa von Eva Braun zu entdecken sind. Die Masurischen Seen liegen malerisch in der flachen Landschaft zwischen Wäldern. Kurz vor Kaunas entschieden wir uns, auf dem Kaunas International Airport einen Tankstop einzulegen und dann nach Riga weiterzufliegen. Am Abend landeten wir also auf dem Riga International Airport. Aus dem Reiseführer suchten wir uns ein Hotel, das wir telefonisch reservierten. Auf Englisch geht das problemlos. Mit dem Bus erreichten wir den Bahnhof, von dem aus wir dann unser Hotel suchten. Es war direkt in der Altstadt, so dass wir nach dem Duschen gleich losgehen konnten. Bei unsrem Rundgang durch die sehr schöne Altstadt fanden wir auch ein Restaurant. Später wurde dann wieder der Flüssigkeitsspiegel hergestellt.

 

3. Tag: Riga – Liepaja - Vilnius

Am Montag, dem 2. Juni fuhren wir nach dem Frühstück wieder mit dem Bus zum Flughafen, wo wie immer die ganze Prozedur abgewickelt werden musste: in verschiedenen Büros Landegebühr, Handling und Benzin bezahlen. Flugvorbereitung, Wetter einholen, Flugplan schreiben, mit dem Auto sich zum Flugzeug zurückfahren lassen. Obwohl wir Privatpiloten sind, musste unser Gepäck durch die Sicherheitsschleuse. Sogar den Gürtel musste man ausziehen. Auch Flüssigkeiten über 100 ml (Duschgel) wurden beanstandet. Wir planten also nach Tallinn, hatten alles fertig und bekamen den Met-Report. Der meldete für Tallinn Gewitter mit Böen bis 30 Knoten. In Riga war es wolkenlos, aber bis Tallinn sind es etwas über 300 km. Also änderten wir unsere Route wieder nach Süden, nach Vilnius, der Hauptstadt Lettlands. Um das Tanken zu vereinfachen, flogen wir zunächst nach Liepaja, um dort zu tanken. In Liepaja erfuhren wir, dass man dies 24 Stunden vorher anmelden müsse. Aber wir könnten Benzin aus dem Privatbestand des Flughafendirektors bekommen, zwar ohne Mehrwertsteuer, aber auch ohne Rechnung. Getankt wurde dann aus der gleichen Tankstelle. Schon etwas merkwürdig. Danach gings weiter nach Vilnius. Vilnius International Airport ist uns Kleinflieger anscheinend nicht gewohnt. Er ist auch für das kleine Litauen recht groß. Die Eingangshalle stammt noch aus früherer Zeit und ist in schönstem Zuckerbäckerstil gebaut. Aus dem Reiseführer suchten wir ein Hotel in der Altstadt heraus, ein ehemaliges Kloster, und reservierten telefonisch das Zimmer. An der Bushaltestelle stellten wir fest, dass der Bus gerade abgefahren war. Es dauerte nicht lange, da kam ein „Taxifahrer“ auf uns zu und bot uns an, um 40 Litas zum Bahnhof zu fahren. Ein deutscher Geschäftsmann machte noch mit, So saßen wir dann dicht gedrängt in einem alten klapperigen Skoda. Das Hotel war vom Bahnhof aus schnell gefunden. Dann das Übliche: duschen, Bummel durch die Altstadt, Hunger und Durst (!) stillen. Die Altstadt von Vilnius erreicht längst nicht den Glanz von Danzig oder Riga. Sie macht eher einen etwas kleinstädtischen Eindruck. Allerdings gibt es eine Prachtstraße mit einem besonders prächtigen Postgebäude.

 

4. Tag: Vilnius – Lodz - Görlitz

Am Dienstag, dem 3. Juni fuhren wir mit dem Taxi wieder zurück zum Flughafen. Da wir unsere Litas ausgegeben hatten, gaben wir dem Taxifahrer 10 Euro. Am Flughafen zahlten wir wieder unsere Gebühren für Landung. Handling und Abstellen. Zum Tanken kam ein Tankwagen und 6(!) Leute, die alle unsere Dimona bestaunten. Anscheinend hatten sie noch nie einen Motorsegler gesehen.

Nach Flugvorbereitung und Aufgabe des Flugplanes ging es weiter nach Polen, wo wir in Lodz zum Tanken landeten. Die Büros hier waren für die allgemeine Luftfahrt praktischerweise zwischen Tankstelle und Flughafengebäude, so dass alles etwas einfacher war. Allerdings verloren wir hier unser Anflugblatt, so dass wir beim Abflug die Ausflugroute und den Meldepunkt ein bisschen schätzen mussten. Den Flugplan hatten wir nach Cottbus geschrieben. Kurz vor der Ankunft löschten wir ihn über Funk und flogen gleich durch nach Görlitz. Ein kleiner familiärer Flugplatz wie man ihn von Erbach gewöhnt ist, aber mit regulären Öffnungszeiten. Der Flugleiter bestellte uns ein Taxi und besorgte eine Übernachtungsmöglichkeit in einer sehr schönen Pension nahe dem Gashof „Dreibeiniger Hund“, in dem man sehr gut isst. Ein kleiner abendlicher Stadtrundgang vermittelte einen ersten Eindruck über das sehr schöne Stadtbild. Nach dem Essen musste natürlich auch der Flüssigkeitsspiegel wieder hergestellt werden, denn an diesem Tag betrug die reine Flugzeit fast 7 Stunden.

 

5. Tag: Görlitz - Ballenstedt

Am Mittwoch, dem 4. Juni ließen wir den Tag etwas ruhiger angehen. Nach dem Frühstück blieb das Gepäck noch in der Pension und wir begaben uns zu einem ausgiebigeren Stadtrundgang, bei dem wir auch in den Dom schauten und kurz über die Neiße auf die polnische Seite hinübergingen. Danach gings mit dem Taxi wieder zum Flugplatz. Zunächst flogen wir die kurze Strecke nach Rothenburg- Görlitz zum Tanken, dort entschieden wir uns für Ballenstedt am Rande des Harz. Den Platz kannten wir bereits. Es fanden gerade die Deutschen Meisterschaften im Motor-Gleitschirmfliegen statt, eine etwas chaotische Veranstaltung, da diese fliegenden Taschentücher zeitweise direkt im Anflug herumgurkten. Mit dem Bus fuhren wir nach Quedlinburg, der Stadt der 1700 Fachwerkhäuser, und kamen dort in der Pension „Altstadtwinkel“ unter, von der es am Flugplatz einen Prospekt gab. Nach einem kurzen Rundgang durch die malerische Altstadt und einem Anstieg zur romanischen Stiftskirche aßen wir etwas Feines im Brauhaus, danach führte uns noch der Nachtwächter durch die Stadt. Zum Abschluss des Tages musste natürlich der Flüssigkeitsspiegel wieder hergestellt werden.

 

6. Tag: Ballenstedt - Erbach

Am Donnerstag, dem 5. Juni fuhren wir nach dem Frühstück mit dem Bus wieder zum Flugplatz, wo wir noch tankten und Öl nachfüllten. Bei schönstem Wetter starteten wir zur letzten Etappe zurück nach Erbach. Allerdings wurde auf dem Weg nach Süden die Luft immer feuchter und die Wolken niedriger, so dass wir über die Schwäbische Alb ins Brenztal ausweichen mussten. Aber es ging, und nach der Landung in Erbach wurde es wieder besser. So konnten wir noch den Modellfliegern zusehen, die ihre kostbaren High-Tech- Jet-Modelle fliegen ließen.

Nach 25 Flugstunden musste unsere Dimona natürlich gründlich gesäubert werden, denn wir hatten wohl die Hälfte der polnischen, lettischen und litauischen Fliegen aufgesammelt, die nun alle an den Vorderkanten der Tragflächen und der Scheibe klebten.

 

Zusammenfassung

Rückblickend kann man sagen, es war eine schöne Tour mit schönen Stationen und fast immer optimalen Wetterbedingungen. Wenn man in Städte wie Danzig oder Riga will, muss man eben große Airports in Kauf nehmen, auf denen alles etwas komplizierter läuft als sonst. Außerdem sind sie, besonders in Vilnius, recht teuer.

Der Flug über das weite und flache polnische Land ist nicht sehr abwechslungsreich, von den Masurischen Seen einmal abgesehen. Flugplan ist überall Pflicht, und man hängt den ganzen Flug am Controller, der einem sagt, was man tun soll. Das ist nicht lästig, sondern vereinfacht den Flug letzten Endes. Einmal fortzuliegen, besonders natürlich ins Ausland, erweitert den fliegerischen Horizont und ist für jeden Piloten empfehlenswert, der mehr will als Erbach – Erbach mit Umweg über die Schwäbische Alb oder Tannheim.

 

Ferdinand Löw

Peter Villoth