Ferdinand Löw
Peter Villoth
Baltikum – Tour mit der Aquila A210 D-ERLL
13. – 18.6.2011
Von Erbach
nach Tallinn

Nachdem wir bereits 2008 eine Baltikum – Tour unternommen hatten, aber wegen einer Gewitterfront nicht bis Tallinn gekommen waren, wollten wir es noch mal versuchen. Mit neuen Karten machten wir uns im Vorfeld Gedanken über die grobe Planung.
Montag, 13.6.11
Erbach – Posen 750 km
Nachdem wir bereits am Samstag die Planung für die erste Tagesetappe bis Posen erledigt hatten, konnten wir am Pfingstmontag zügig loslegen. Wetter einholen, Tanken, und wir konnten losfliegen. Das Wetter war zunächst mäßig mit geschlossener Wolkendecke und teilweise Schauern, aber nach Norden zu wurde es besser. Vorbei an bekannten Orten wie Dinkelsbühl ging es zunächst nach Cottbus-Drewitz, wo wir eventuell tanken und eine Kleinigkeit essen wollten. Tanken war unnötig, und die Wirtschaft hatte zu. Also gaben wir den Flugplan auf und konnten weiterfliegen. Wir kamen über große Braunkohle- Abbaugebiete, die Weichsel und die Seen an der Pregel. Am Flugplatz Posen tankten wir gleich und banden die Aquila nach vorheriger Genehmigung im Gras fest, da keine Befestigungsvorrichtungen auf dem Asphalt vorhanden waren. Anschließend fuhren wir mit dem Taxi zum Hotel Orbis, das wir als zentrumsnah auswählten. Leider erwies es sich als sündhaft teuer (780 Zloty = 190 €). Dafür ging das Licht über den Betten nicht, Der Schlauch an der Dusche war marode und die Minibar war verschlossen.
Dafür ist Posen eine sehr schön wieder aufgebaute Stadt mit ebenso schön restaurierten alten Häusern. Das Schloss wurde im damaligen Stil übrigens von Albert Speer gebaut. Nach einem Rundgang entschlossen wir uns für ein Restaurant, wo wir im Freien sitzen konnten, um danach noch in einer Kneipe einzukehren, wo wir uns mit zwei netten Damen unterhielten, über die wir uns keinen rechten Reim machen konnten. Eine sprach auch Italienisch und gab vor, aus Mailand zu sein, was nicht ganz glaubwürdig war. Da ich mit ihr einige Worte Italienisch sprach, meinte sie, ich sei Italiener. Ein echter Italiener würde das wohl nie behaupten.
Dienstag, 14.6.11
Posen – Riga 780 km
Nach dem Frühstück ging es mit dem Taxi zum Flughafen, wo wir uns zunächst mit dem Üblichen befassen mussten: Planung des Fluges, bezahlen und Flugplan aufgeben. Die Strecke führte über die Weichsel und die Pregel- Seen in Masuren. Um die Exklave Kaliningrad (Königsberg), das zu Weißrussland gehört, muss man einen Bogen fliegen und einen bestimmten Grenzübergangspunkt einhalten. Bald war auch die Memel erreicht. Litauen wurde ohne Landung überflogen, und nach gut 4 Stunden landeten wir auf dem internationalen Flughafen von Riga, der Hauptstadt Lettlands mit gut 700 000 Einwohnern. Mit dem Bus ging es in die Stadt, und im Hotel Old Riga bekamen wir ein sehr schönes Zimmer. Der Rundgang durch die schöne Altstadt der alten Hansestadt führt an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei. Zuerst besuchten wir die Markthallen mit einem riesigen Angebot an Waren aller Art. Die Dachkonstruktion soll von den alten Zeppelinhallen stammen. In der Altstadt besuchten wir den Dom, bestaunten den Blumenmarkt und prächtige Jugendstilhäuser. Das gotische Schwarzhäupterhaus ist wunderschön restauriert. Beeindruckend ist das Blumenmeer am Freiheitsdenkmal, in der Nähe findet man im Park der Stadt eine Brücke, deren Geländer mit Tausenden von Vorhängeschlössern behängt ist. Auf ihnen sind die Namen von Liebespaaren eingraviert. Das Schloss wird dann ans Brückengeländer gehängt und der Schlüssel in den Fluss geworfen. Vor der Staatsoper lief auf einer großen Leinwand eine Aufzeichnung mit Opernarien, die viele Zuschauer anzog.
Zum Essen fanden wir ein Restaurant mit Heizstrahlern auf der Terrasse, was wegen der kühlen Temperatur recht angenehm war. Nach einem Verdauungsspaziergang wurde im gleichen Lokal noch ein Bier getrunken, dann ging es ins Hotel.
Mittwoch, 15.6.11
Riga – Tallinn 280 km
Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es wieder mit dem Bus (Linie 21) zum Flughafen, wo wir zunächst tankten, alle Gebühren bezahlten und die üblichen Flugvorbereitungen trafen. Leider war das Wetter sehr zweifelhaft, aber wir wagten es. Die Route ging an der Ostseeküste entlang nach Norden. Bald wurden die Wollen immer tiefer, und man musste auf Sendemasten achten, die alle paar Kilometer nach oben ragten. Schließlich flogen wir noch in 700 Fuß Höhe, was nicht sehr angenehm war. Kurz vor Tallinn stand noch ein Gewitter im Weg, das wir nach Osten umflogen. Gleich kam von der Kontrollerin die Frage „D-ERLL, what is your intension?“ Als wir Tallinn erreichten, wurden wir zunächst mal in die Warterunde geschickt und durften gewiss 10 mal im Kreis fliegen, bis die Aufforderung kam „D-ERLL, continue approach with maximum speed.“ So landeten wir zwischen großen Maschinen von Baltic Air und Ryanair. Das Verkehrsaufkommen am Flughafen von Estlands Hauptstadt ist schon recht beachtlich. Am Abstellplatz tankten wir zunächst noch mal, denn am nächsten Tag sollte es wieder zurück gehen. Das Wetter wurde inzwischen wieder besser. Danach fuhren wir mit dem Bus Richtung Stadt, um ein Hotel zu suchen. Zuerst kamen wir an großen Glas- und Chrompalästen vorbei, die alle recht teuer aussahen, dann fanden wir am Rand der Altstadt ein solides Mittelklassehotel, Hotel Bern, zu einem annehmbaren Preis.
Danach folgte die Erkundung der Altstadt, die bis 1918 Reval hieß. Viel alte Bausubstanz konnte uns beeindrucken. Als Glanzlichter nenne ich das Rathaus und den Burgbereich mit einer gut erhaltenen Mauer und einem sehr schönen Blick über die Stadt. Auf der Burg findet man den Regierungssitz mit dem Landeswappen, das dem von Baden- Württemberg aufs Haar gleicht. Gleich gegenüber besuchten wir eine prächtige orthodoxe Kirche. In der Nähe des Fährhafens findet man die zerfallende Stadthalle aus sowjetischen Zeiten, einen monumentalen protzigen Klotz, aber mit einer schönen Aussicht über den Hafen.
Am Abend merkt man deutlich, dass man weiter im Norden ist, denn der Tag ist wesentlich länger.
Da Estland den Euro hat, war das Bezahlen einfacher. Man merkt allerdings an den Preisen, vor allem beim Essen, dass Tallinn eine gefragte Touristenattraktion ist.
Donnerstag, 16.6.11
Tallinn – Danzig 1100 km
Nach dem Frühstück ging es mit dem Bus wieder zum Flughafen, wo wir den Rückflug planten. Von Tallinn aus wären es noch 70 km hinüber nach Helsinki und 200 km nach St. Petersburg. In Russland muss man jedoch einen Navigator mit an Bord nehmen, wahrscheinlich weil der Funkverkehr auf Russisch abgewickelt wird. Da dies in einem zweisitzigen Flugzeug nicht möglich ist, scheidet diese Möglichkeit aus. Auch Helsinki würde unseren Rahmen etwas übersteigen. Ursprünglich wollten wir noch einen Tag in Liepaja (früher Libau) an der Ostsee verbringen. Wir entschieden uns jedoch, mit einem Tankstopp nach Danzig durchzufliegen. Als wir zum Flugzeug kemen, war unter der rechten Tragfläche genau unter dem Drainageventil eine große Benzinlache. Sie war schon angetrocknet, aber der Asphalt gelöst und die rechte Radverkleidung schwarz verspritzt. Vermutlich war hier ein Benzinklau am Werk, denn im Tank fehlten ca. 5 Liter. Weder vorher noch nachher war das Ventil undicht.
Unsere Strecke führte uns über die Insel Saaremaa und den Rigaischen Meerbusen Richtung Klaipeda (früher Memel). Dort wollten wir tanken. In Klaipeda meldete sich jedoch am Funk niemand, so flogen wir die kurze Strecke zurück nach Palanga und tankten dort.
Darauf ging es weiter nach Danzig, wieder um die weißrussische Exklave Kaliningrad (Königsberg) herum, über die Memel und die Masurischen Seen.
In Danzig tankten wir gleich und fuhren dann mit dem Bus in die Stadt. Die Suche nach einem Hotel gestaltete sich etwas schwierig. Wir fanden eine einfache Unterkunft in der Nähe des Bahnhofs in einem alten Turm. Es war ein Appartement mit Küche, wohl als Lehrerwohnung gedacht, denn das Ganze, vor allem der Speisesaal machte den Eindruck eines Schullandheims. Nach einem Rundgang durch die sehr schöne Altstadt bei mäßigen Temperaturen und einer guten Mahlzeit fand der Tag noch in einem Bierkeller den Abschluss.
Freitag, 17.6.11
Danzig – Lübeck (600km)
Nach einem recht einfachen Frühstück fuhren wir mit dem Bus zum Flughafen, erledigten die nötigen Formalitäten (Wetter, Flugplan), was etwas Schwierigkeiten bereitete. Auf unserer Strecke sei ein Sperrgebiet, was allerdings auf unserer aktuellen Karte nicht existierte. Die Dame verwies uns auf einen Annex zum AIP, fand diesen beim Nachschlagen aber auch nicht. Nach einigen Verhandlungen und Rückrufen bei der polnischen Luftwaffe stellte sich heraus, dass dieses Sperrgebiet erst am späten Nachmittag für 2 Stunden aktiv wird. Wir waren also zeitlich gar nicht betroffen und konnten endlich los. Unsere Strecke führte uns entlang der Ostsee über die Odermündung und Heringsdorf nach Lübeck. Dort wieder das Übliche: Gepäck ausladen, Flugzeug anbinden, nach einem Hotel telefonieren. Dabei kam uns der Zufall zu Hilfe. Als wir in der kleinen Halle des Flughafens über das Hotel diskutierten, sprach uns eine Frau an und bot uns das neu eröffnete Hotel Vier Jahreszeiten zu einem Sonderpreis an. Das war natürlich eine Sache. Es war die Chefin des Hotels, die Freunde aus dem Tessin abholte. Sie fuhr uns mit ihrem Kleinbus zum Hotel, wo wir uns kurz frisch machten und den Fußmarsch in die Stadt antraten. Die beschriebene Viertelstunde war wohl für Autofahrer gedacht, denn wir brauchten fast eine Stunde. Teile von Lübeck sind Weltkulturerbe, so z.B. das Holstentor und die Marienkirche. Eine architektonische Besonderheit der Backsteingotik sind die Windgiebel. Das sind Giebel, die Häuser größer erscheinen lassen. Hinter ihnen ist nichts. Damit der Wind die Mauern nicht umdrückt, sind die Fensterlöcher offen.
Bei unserem Rundgang fanden wir nur eine Wirtschaft, die zum Essen einlud (bei Erna), was eine gute Wahl war. Nach einem kurzen nächtlichen Rundgang kehrten wir wieder hierhin zurück, um uns an der Theke für den Rückmarsch zum Hotel zu stärken.
Samstag, 18.6.11
Lübeck – Erbach (650km)
Nach einem ausgiebigen Frühstück im 7. Stock mit herrlichem Panoramablick machten wir uns mit unseren Rucksäcken (wohl eher eine Seltenheit im Vier Jahreszeiten) zur nächsten Bushaltestelle auf, um zum Flughafen zu fahren. Heute gings ohne Flugplan los. Allerdings war der Gegenwind mit 25 – 30 Knoten recht energisch und ließ uns nur langsam vorankommen. Um die Zeit nicht allzu lang werden zu lassen, beschlossen wir, in Northeim zu landen, wo Peter von einem netten Flugplatzcafe wusste. Doch das gab es leider nicht mehr. Also starteten wir wieder und beschlossen, unsere Kaffeepause woanders nachzuholen. Dies geschah in Rothenburg, 110 km vor Erbach. Nun war die Landschaft unter uns wieder bekannt, aber der Wind war immer noch der gleiche, und so konnten wir gleich in den Direktanflug auf die 03 gehen.
Nach dem Tanken und Putzen war im Vereinsheim natürlich angesagt, von unseren Erlebnissen zu berichten.
Nach genau 24 Stunden Flugzeit hatten wir wieder mal eine fliegerisch und touristisch interessante Tour ohne Zwischenfall hinter uns gebracht.
Fürs Fliegen braucht man Träume und Ziele!